Warum uns das „unabhängige“ Kühlsystem im Camper eiskalt enttäuscht hat
Wer kennt es nicht? Man plant den perfekten Offroad- oder Vanlife-Ausbau, investiert in hochwertige Komponenten und verlässt sich auf die glänzenden Werbeversprechen der Hersteller. Schließlich ist die Stromversorgung beim autarken Stehen das wertvollste Gut, das wir im Camper haben. Genau deshalb haben wir uns für den Hyckes HyFridge 85 entschieden.
Nach über einem Jahr im Einsatz mit dem ersten Modell, einem intensiven Austausch mit der Geschäftsleitung und dem anschließenden Test des neueren Dual-Zone-Modells müssen wir heute eine deutliche Warnung aussprechen.
Hier ist unser ungeschönter Erfahrungsbericht, warum dieses System für echtes autarkes Reisen absolut ungeeignet ist und worauf ihr beim Kauf unbedingt achten müsst.
Das Werbeversprechen vs. die Realität im Camper
Hyckes wirbt auf seiner Website offensiv mit folgendem Satz:
„Kühlen und frieren Sie Lebensmittel und Getränke unabhängig von der Umgebungstemperatur ein.“
Zusätzlich suggerierte die Produktbeschreibung beim Kauf unseres ersten Geräts eine innovative Temperaturkontrolle:
„Digitales Bedienfeld mit Doppelanzeige zeigt die eingestellte oder aktuelle Temperatur beider Kühlfächer an.“
Die Realität in unserem Van sah völlig anders aus:
Im normalen Betrieb stellten wir fest, dass die Temperatur im Gefrierfach massiv schwankte. Der absolute Super-GAU: Während das Gerät im Kühlbereich funktionierte, taute das Gefrierfach im Camper-Alltag (insbesondere bei kühleren Außentemperaturen im Frühjahr oder Herbst) zeitweise so weit auf, dass gefrorener Fisch plötzlich $+4\text{ }^\circ\text{C}$ hatte!
Die Reaktion des Herstellers: Ein Konstruktionsfehler wird zur „Systemeigenschaft“
Als wir den Kundenservice mit diesen gravierenden Mängeln konfrontierten, begann eine zähe Odyssee. Erst als wir rechtlichen Druck aufbauten und die logistischen Probleme bei der Rücksendung eines eingebauten Großgeräts ohne Originalverpackung thematisierten, schaltete sich die Geschäftsleitung ein.
Die schriftliche Erklärung des Direktors von Hyckes ließ uns fassungslos zurück. Das regelmäßige Antauen des Gefrierfachs sei keine Fehlfunktion, sondern:
Eine „systembedingte Eigenschaft“ dieser Bauart, da Kühl- und Gefrierbereich über einen gemeinsamen Kreislauf gekoppelt sind.
Ein normales Verhalten, das insbesondere bei niedrigen Umgebungstemperaturen im Fahrzeug auftritt.
Unser Fazit dazu: Wenn ein Hersteller einen Einbaukühlschrank explizit für Reisemobile und Vans konzipiert, dann muss das Gerät in den wechselnden Klimazonen eines Campers funktionieren. Wer im Frühling oder Herbst autark steht und morgens verdorbene Lebensmittel im Eisfach vorfindet, hat kein „Feature“, sondern einen handfesten Sachmangel.
Interessantes Detail am Rande: Hyckes hat die Produktbeschreibung auf der eigenen Webseite klammheimlich geändert. Das Versprechen, die Temperatur „beider Kühlfächer“ anzuzeigen, wurde im Nachgang gestrichen. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Die sogenannte „Kulanzregelung“: Alles andere als ein Geschenk
Weil man das Problem konstruktionsbedingt nicht lösen konnte, schlug uns der Hersteller schließlich eine vermeintliche Kulanzlösung vor: Wir durften das Nachfolgemodell mit zwei getrennten Kühlsystemen (Dual-Zone) bestellen.
Um hier Missverständnissen vorzubeugen: Wir haben hier absolut nichts geschenkt bekommen.
Zuzahlung aus eigener Tasche: Für das neue Dual-Zone-Gerät mussten wir trotz des herstellerseitigen Konstruktionsfehlers immer noch 50 % des regulären Kaufpreises bar nachzahlen.
Kostenrisiko beim Kunden: Den alten, für uns unbrauchbaren Kühlschrank durften wir zwar behalten, um den logistischen Aufwand und das Transportrisiko für den Hersteller zu minimieren (ein Rückversand von Großgeräten ohne Originalkarton ist schließlich für beide Seiten ein Albtraum).
Zusätzliche Einbaukosten: Die nicht unerheblichen Kosten für den erneuten Ausbau des alten Geräts und den fachgerechten Einbau des neuen Kühlschranks im Möbelkorpus blieben komplett an uns hängen.
Unter dem Strich haben wir also für ein funktionierendes System noch einmal kräftig draufgezahlt, anstatt dass der Hersteller den fehlerhaften Zustand im Rahmen der Gewährleistung einfach kostenlos behebt.
Der Test des neuen Dual-Zone-Modells: Ein bodenloser Stromfresser
Wir haben dem neuen System dennoch eine ehrliche Chance gegeben. Für die perfekte Abwärme hat unser Ausbaubetrieb sogar noch zusätzliche Lüftungsgitter in den Möbelkorpus integriert. Das Gerät wurde auf Werkseinstellungen zurückgesetzt und wir haben testweise sogar das obere Gefrierfach komplett entfernt, um ideale Bedingungen zu schaffen.
Das Ergebnis nach einer Woche Intensivtest bei milden $18\text{ }^\circ\text{C}$ bis $20\text{ }^\circ\text{C}$ Raumtemperatur ist eine absolute Katastrophe für jeden, der autark stehen möchte:
Taktung des Grauens: Der Kompressor springt alle 8 bis 12 Minuten an und läuft dann für mindestens 10 Minuten durch.
Die Strom-Rechnung: In den offiziellen Daten gibt Hyckes eine Stromaufnahme von 1,9 Ah an. Durch die permanente Einschaltdauer von fast 50 % läuft der Kompressor rechnerisch 12 Stunden am Tag. Das ergibt einen Realverbrauch von satten 22,8 Ah pro Tag – und das im absoluten Schonbetrieb im kühlen Van! Zum Vergleich: Hochwertige Kompressorkühlschränke der Mitbewerber laufen bei diesen Temperaturen mit einer Einschaltdauer von 15 % bis 20 % und verbrauchen nicht einmal die Hälfte.
Im Hochsommer bei $30\text{ }^\circ\text{C}$ im Fahrzeug würde dieses Gerät im dauerhaften 100%-Dauerbetrieb laufen und die Bordbatterien in kürzester Zeit leersaugen.
Unser Fazit: Finger weg im autarken Vanlife!
Das Fazit der Vans of Germany-Redaktion fällt unmissverständlich aus: Keine Kaufempfehlung!
Auch wenn wir nach zähen Verhandlungen einen Rabatt auf das Zweitgerät erringen konnten, bleibt das bittere Endergebnis: Wir haben zusätzliches Geld investiert, viel Zeit verloren, neue Lüftungsgitter verbaut und stehen nun wieder vor einem Gerät, dessen Technologie für den echten Einsatz im Camper schlichtweg eine Fehlkonstruktion ist. Ein extrem hoher Stromverbrauch zwingt euch im Alltag frühzeitig dazu, eure mühsam gesuchten Freisteh-Plätze zu verlassen, nur um auf einem Campingplatz den erlösenden Landstrom anzustöpseln.
Wer einen verlässlichen, energieeffizienten Kühlschrank sucht, der die Temperaturen im Gefrierfach stabil hält, sollte einen großen Bogen um diese Marke machen und lieber auf bewährte Premium-Komponenten der bekannten Marktführer setzen. Autarkie lebt von Effizienz – und genau die haben wir hier zu keinem Zeitpunkt gefunden.
Habt ihr ähnliche Erfahrungen mit euren Kühlschränken gemacht oder habt Fragen zu unserem Test-Setup? Schreibt es uns unbedingt in die Kommentare!




